[Artikel] Beate Rösler – Die Reise des Elefantengottes

©Katja Koesterke

Bis heute weiß die 39-jährige Priyanka nicht, weshalb ihre Mutter Asha als junge Frau aus Indien nach Berlin fliehen musste. Fast hat sie sich damit abgefunden, dass ihr Ashas Vergangenheit für immer verschlossen bleibt, bis sie von ihrem Mann eine Reise nach Delhi geschenkt bekommt. Priyanka reist allein, nur der kleine Elefantengott, das einzige Andenken ihrer Mutter an die Heimat, begleitet sie. In Neu-Delhi taucht sie in eine farbenprächtige fremde Welt ein und stößt auf ein dunkles Geheimnis. Doch weshalb stoßen auch hier ihre Fragen stets gegen eine Wand aus Schweigen?

Die hochemotionale Geschichte zweier Frauen vor der leuchtenden Kulisse Indiens.


Beater Rösler | Die Reise des Elefantengottes | erschienen im Aufbau Verlag | Taschenbuch| Preis: 9,99€ zum Beispiel bei amazon

Wenn ich an Inderinnen denke, dann denke ich an wunderschöne Frauen mit langem schwarzem Haar. Ich denke an ein strahlendes Lächeln, an bunte Saris in knalligen Farben, ich denke an den Duft von indischem Essen und ich sehe Finger, die immer ein bisschen rot sind vom Tikka, der Farbe mit denen sich Hindus das dritte Auge Shivas auf die Stirn malen.

Das ist das Bild von indischen Frauen, das ich haben möchte und welches ich sicher mit vielen Menschen teile. Die Wahrheit ist allerdings, dass eine Frau in Indien zu sein ein hartes Los ist.
Nach einer G-20 Studie aus dem Jahr 2012 ist Indien das frauenfeindlichste Land unter den großen Nationen. Noch hinter Saudi-Arabien. Täglich werden um die 100 Vergewaltigungen zur Anzeige gebracht (die Dunkelziffer liegt sicherlich weit höher), jede dritte verheiratete Frau erfährt in ihrer Familie häusliche Gewalt, jede zehnte leidet unter sexueller Gewalt.

Indien ist auch das Land, das einen weiteren traurigen Rekord hält – das Land mit weltweit den meisten Femiziden. Beginnend schon im Kindesalter. Frauen sind teuer – jeder Frau wird bei ihrer Hochzeit eine Mitgift mitgegeben und Eltern töten ihre kleinen Töchter, weil sie sich diese nicht leisten können und Ehemänner bringen ihre Frauen dann kurz nach der Hochzeit um, um die Mitgift behalten zu können. Ehen werden in Indien meist arrangiert, Liebeshochzeiten sind selten. Jahr für Jahr sterben auf diese Weise unsagbar viele Frauen, die Mörder gehen meist straffrei aus.

In Beate Röslers „die Reise des Elefantengottes“ sind es genau diese Umstände, die Asha in den 60er Jahren aus ihrem Vaterland nach Deutschland treiben. Hier erlebte sie ein Trauma, das so schwer ist, dass sie viele Jahrzehnte nicht darüber sprechen kann und sie schließlich von Indien, ihrer Schwester und schlussendlich auch von ihrer Tochter Priyanka entfremdet, was teilweise wirklich hart war zu lesen und mich am Ende auch mit gebrochenem Herzen zurückließ. Denn das traurige ist ja, dass Erfahrungen wie Asha sie machte unzählige Frauen in Indien Tag für Tag durchmachten und auch immer noch durchmachen.

https://www.tagesschau.de/ausland/indien-frauen-101.html

Allerdings sind wir glücklicherweise nicht mehr in den 60ern und auch Indien geht den Weg des Fortschritts. Langsam zwar, aber doch. Vor allem in den großen Städten wird der Ruf junger und emanzipierter Inderinnen immer lauter und Frauen gehen mittlerweile mit Erfolg für ihre Rechte auf die Straße und auch in den Medien wird das Thema lauter diskutiert als je zuvor. Zahlreiche Gesetze wurden seit Ashas Zeit auf den Weg gebracht, welche Frauen schützen und auch in Machtpositionen bestärken soll. Leider ist das Land noch lang nicht dort wo es sein müsste, viele Gesetze werden vor allem in den ländlicheren Regionen nicht durchgesetzt, Gewalt gegen Frauen ist immer noch Alltag und vor allem in armen Gegenden, sind sich die Frauen ihrer Rechte nicht einmal bewusst. Daher sind Frauenrechte generell, in Indien wie in jedem anderen Land, ein Thema auf das man noch lange ein Auge haben muss und Beate Rösler hat mit ihrem Buch „Die Reise des Elefantengottes“ ihren Teil dazu beigetragen, das Thema mehr in mein, und vielleicht ja jetzt auch mehr in euer – Blickfeld zu rücken, denn obwohl man das vielleicht oft glauben möchte – Indien ist ein wunderschönes Land mit großartigen Menschen. Aber es ist eben doch kein Bollywood Film.


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Auszug aus meiner Rezension

Es gab viele Dinge, die ich an diesem Buch großartig fand, allem voran die Stückchen Geschichte und Weisheit, die das Buch vermittelte. Ich hatte wirklich das Gefühl Indien nach der Lektüre besser zu kennen. Viele Geschichten, die in anderen Ländern spielen bleiben oberflächlich, oder schaffen es nur unzureichend in die Materie zu tauchen, aber hier hab ich Geschichte auch auf eine Art vermittelt bekommen, die mir nahe ging und die ich so nicht so schnell wieder vergessen werde.

4 von 5 Sterne


Quellen:

https://www.planet-wissen.de/kultur/asien/indien/pwiefraueninindien100.html [Zugriff 20.06.2020]
https://www.tagesschau.de/ausland/indien-frauen-101.html [Zugriff 20.06.2020]
https://www.sos-kinderdoerfer.de/informieren/wo-wir-helfen/asien/indien/gewalt-frauen-indien [Zugriff 20.06.2020]
https://www.hss.de/news/detail/frauen-in-indien-zwischen-emanzipation-und-tradition-news4024/ [Zugriff 20.06.2020]

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